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ZZI-Pressemitteilung: Beenden wir die Ungerechtigkeit in dem leidgeprüften europäischen Land

Beenden wir die Ungerechtigkeit in dem leidgeprüften europäischen Land

Krise in Bosnien-Herzegowina kann schnell auch zu einer überregionalen Krise, sowie zu einer Krise in der EU werden

 

Als Gewinner des Bürgerpreises des Europäischen Parlaments, welcher mit einer Initiative, die transnationale kulturelle Zusammenarbeit zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina durch Projekte im kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Bereich immer wieder zu fördern versucht, sieht sich das Zentrum der zeitgemäßen Initiativen – ZZI moralisch verpflichtet sich in der Öffentlichkeit zu der gegenwärtigen und besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Situation in Bosnien-Herzegowina zu Wort zu melden.

Wenn wir die andauernden Proteste und Demonstrationen der Bürger von Bosnien-Herzegowina analysieren, können wir sagen, dass die Weise und Auswirkung der bisherigen Ereignisse eher einen elementaren und reaktiven Charakter gehabt hat. Wir sind auch der Meinung, in Betrachtung der gesamt besorgniserregenden Ereignisse in Bosnien und Herzegowina, dass es zu einer Veränderung der bosnischen Gesellschaftsrealität kommen müsste, da die meisten verantwortlichen Politiker, auf allen Regierungsebenen, einfach versagt haben und all die Signale des leidgeprüften Volkes nicht erkannt und wahrgenommen haben.

Aus diesem Grund, unterstützen wir die friedlichen Proteste der bosnischen BürgerInnen, welche das legitime Recht haben auf demokratische Art und Weise der angehäuften Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Weiter appellieren wir darauf, dass es nicht zu einem Missbrauch und auch zu keiner Instrumentalisierung dieser Proteste von politisch-ideologischen Seiten kommen dürfte.

Auch die bestehende bosnische Verfassung, welche nach dem Friedensabkommen aus Dayton für Frieden sorgen sollte, ist unseres Erachtens nach, nicht für eine freie, demokratische und bürgerliche Gesellschaft geeignet, und auch mitverantwortlich dafür ist, dass Bosnien-Herzegowina heute immer mehr einer geschlossenen Gesellschaft ähnelt, wo verschiedene Mechanismen der retrograden Verfassung sich sichtlich jeglichen Reformen und Veränderungen querstellen.

In Summe sehen wir, dass die ungeeignete Verfassung, gekoppelt mit politischer Verantwortungslosigkeit und einer nicht effizienten und ökonomisch nicht tragbaren Verwaltung, begleitet von einem gestörtem Kommunikationsprozess zwischen den gewählten PolitikerInnen und dem Wahlvolk, die Hauptursachen für den Stillstand der bosnischen Gesellschaft sind.
Zusätzlich kommt hinzu, dass in Bosnien-Herzegowina eine politische, ökonomische und soziale Exklusivität, vereint mit Wirtschaftskriminalität, Korruption und Domination der Massenmedien an den Tag gelegt wird. Als Resultat der langdauernden großnationalistischen Ideologien, des Völkermords und der Aggression gegen Bosnien-Herzegowina, ist auch das verbreitete Phänomen des ethnischen Populismus im Land zu verzeichnen.     

Wenn wir all diese demokratischen Paradoxe betrachten, wird uns sehr schnell klar wieso Bosnien-Herzegowina auf dem Weg Richtung EU hinterher hinkt. Andererseits, müssen wir aber auch betonen, dass sich Bosnien-Herzegowina mit ihrer Kultur der Verschiedenheit seit den 1990er Jahren von der EU mehr Verständnis, eine klare Vision, ein unangefochtenes Engagement, sowie eine eindeutige Unterstützung zur Stärkung des gesamten bosnischen Staates erwartet hat, gemeinsam mit all den Maßnahmen, welche zu einer Lösung der Bosnischen Frage führen würden, um eine soziale Gerechtigkeit und normalen Lebensstandard für bosnische BürgerInnen zu ermöglichen.

An dieser Stelle möchten wir den bekannten slowenischen Schriftsteller, Herrn Boris Pahor zitieren, welcher bei der Verleihung des BürgerInnenpreises des Europäischen Parlaments 2013 in Brüssel gesagt hat: „Lassen Sie es bitte nicht zu, dass die EU nur eine Gemeinschaft des Geldes wird“, und ergänzen hiermit, dass sich gerade in Bezug auf Bosnien-Herzegowina bestätigt, in welchem Ausmaß die EU-Funktionäre die sozio-kulturelle Grundidee der EU verstehen und begreifen.

Schließlich, appellieren wir an alle relevanten TeilhaberInnen und Mitverantwortliche, dass sie entschieden Ihre Positionen in Bezug auf dieses leidgeprüfte europäische Land überdenken, dass sie bei der Änderung der sog. Daytoner Verfassung, sowie bei den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Reformen aktiv mitzuwirken beginnen. Denn, die Krise in Bosnien-Herzegowina kann schnell auch zu einer überregionalen Krise, sowie einer Krise in der EU werden.

Mit freundlichen Grüßen,
ZZI-Präsidium

© 2011 Bosnischer Akademischer Kreis

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